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Alleine reisen als Frau: Zwischen grenzenloser Freiheit und dem ehrlichen Kraftakt

Wie du mit Einsamkeit umgehst, Verantwortung für dich übernimmst und warum dein Bauchgefühl dein bester Reisebegleiter ist.


Alleine reisen als Frau: Meine ehrlichen Erfahrungen nach 10 Jahren Solo Travel

Ich sitze gerade in einem Airbnb in Mosambik. Es ist einer dieser Momente, in denen sich zwei Gefühle gleichzeitig in mir ausbreiten: Ich genieße die tiefe Ruhe, ganz bei mir zu sein – und gleichzeitig würde ich diesen Augenblick am liebsten mit jemandem teilen.

Ich reise seit 2016 viel alleine. Ich war mit dem Fahrrad über 10.000 Kilometer unterwegs, davon 5000 Kilometer komplett alleine. Ich habe allein wild gecampt, bin durch Berge gewandert, habe Backpacking-Abenteuer erlebt, Workaway-Projekte gestemmt und war auf mehreren Kontinenten unterwegs.

Und ganz ehrlich? Ich war selten wirklich allein.

Dennoch kommt dieses Gefühl der Einsamkeit manchmal hoch. Und ich finde, darüber wird viel zu wenig gesprochen. Alle reden darüber, wie frei man sich fühlt, wie mutig das ist, wie sehr man wächst. Und ja – das stimmt alles! Aber niemand sagt dir, dass du auch jede einzelne Entscheidung alleine treffen musst. Dass du manchmal einfach keine Lust hast, irgendwo hinzugehen. Dass du Momente hast, in denen du denkst: Es wäre gerade schön, das nicht alleine zu erleben.



Alleine reisen heißt nicht, dass du immer alleine bist

Du reist alleine los – aber du bleibst selten lange allein. Ich habe auf meinen Reisen immer wieder wundervolle Menschen kennengelernt. Manchmal nur für ein Gespräch, manchmal für ein paar Tage – und manchmal sind daraus echte Verbindungen entstanden.

Gerade am Anfang habe ich auch viel über Facebook-Gruppen organisiert, nach Mitreisenden gesucht oder mich einfach treiben lassen. Und genau dann passieren oft die schönsten Begegnungen.

Und oft passiert noch etwas anderes: Du triffst genau dann die richtigen Menschen, wenn du sie brauchst. Das klingt vielleicht kitschig, aber ich habe es so oft erlebt, dass ich es nicht mehr anders sagen kann. Zum Beispiel auf der Tour du Mont Blanc: Ich war alleine unterwegs, hatte schon einen langen Tag hinter mir und stand plötzlich vor mehreren großen Schneefeldern. Ich hatte absolut keine Erfahrung damit und ehrlich gesagt auch Respekt – vor allem, weil ich gesehen habe, wie andere dort schon Schwierigkeiten hatten. Ich wusste kurz nicht: umdrehen oder weitergehen? Und dann kam aus dem Nichts ein Trailrunner vorbei. Er hat sein Training unterbrochen und meinte einfach: „Komm, ich helfe dir.“ Er ist mit mir zusammen über alle Schneefelder gegangen, hat mir genau gezeigt, wo ich hintreten soll, mir Sicherheit gegeben und mich begleitet, bis der Weg wieder frei war. Danach ist er seinen Weg weiter gegangen. Und ich stand da und dachte nur: Wie kann es sein, dass genau in diesem Moment jemand auftaucht?

Oder in Chile, im Norden von Patagonien: Ich kam abends an, es war schon dunkel, mein Host war nicht da und wir hatten uns offensichtlich missverstanden. Ich konnte kein Spanisch, war alleine in einem kleinen Ort und wusste erstmal nicht weiter. Und dann sehe ich einen Mann mit einem Laptop. Ich dachte nur: Okay, der hat Internet. Am Anfang war da natürlich Vorsicht auf beiden Seiten. Aber irgendwann haben wir angefangen zu kommunizieren – irgendwie mit Händen, Füßen und Übersetzer. Irgendwann kam seine Frau dazu, sie haben mich mit zu sich nach Hause genommen, seine Mutter wusste schließlich, wo ich eigentlich hin musste – und am Ende haben sie mich nachts noch dorthin gefahren. Einfach so. Und genau solche Situationen passieren immer wieder.

Du denkst: Jetzt komme ich hier nicht weiter. Und dann ist plötzlich jemand da. Nicht, weil du danach gesucht hast – sondern weil du offen bist, es zuzulassen und deinem Bauchgefühl vertraust.


Freiheit vs. Verantwortung: Die Kehrseite der Medaille

Ich kenne beide Welten: Das Alleinreisen und das Reisen mit anderen. Ich bin nicht nur alleine gereist. Ich habe auch immer wieder Zeit mit anderen verbracht oder bin Teilstrecken gemeinsam gereist.

Beides fühlt sich grundlegend anders an. Wenn du mit anderen reist: triffst du Entscheidungen gemeinsam hast du automatisch Austausch musst du aber auch Kompromisse eingehen. Wenn du alleine reist: musst du keine Kompromisse machen kannst du komplett frei entscheiden aber du trägst auch alles alleine. Und genau das ist der Punkt, den viele unterschätzen. Freiheit bedeutet auch Verantwortung. Alleine reisen klingt nach absoluter Freiheit – und das ist es auch. Aber diese Freiheit hat eine andere Seite: Du bist für alles verantwortlich. Wo schlafe ich? Was mache ich heute? Gehe ich raus oder bleibe ich für mich? Fahre ich weiter oder bleibe ich noch? Wo gehe ich essen? Es gibt niemanden, der dir diese Entscheidungen abnimmt. Niemanden, der sagt: „Komm, wir machen das jetzt einfach.“ Du bist diese Person. Und das ist manchmal sau anstrengend. Du bist dein eigener Guide, dein eigener Sicherheitschef und dein eigener Motivator. Das ist ein unglaubliches Training für das Selbstbewusstsein, aber es ist eben auch: anstrengend.



Mit anderen reisen

Alleine reisen

Gemeinsame Entscheidungen

Kompromisslose Freiheit

Automatischer Austausch

Verantwortung für alles

Man muss sich anpassen

Man bestimmt jeden Schritt


Ist alleine reisen als Frau gefährlich?

Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Meine Antwort: Es ist oft viel weniger gefährlich, als viele von außen denken. Ich war noch nie in einer Situation, in der ich mich ernsthaft bedroht gefühlt habe. Mein wichtigstes Werkzeug? Mein Bauchgefühl. Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, gehe ich. Sofort. Ohne Diskussion.

Meine kleinen „Sicherheits-Hacks“:

  • Recherche: Informiere dich über Kultur und Land, bevor du ankommst.

  • Kleidung: Passe dich an, wenn es nötig ist.

  • Auftreten: Sei aufmerksam, aber nicht ängstlich.

  • Der kleine Trick: In manchen Ländern trage ich einen Ring oder sage, mein Partner sei bereits vor Ort. Nicht aus Scham, sondern weil es mir ein sicheres Gefühl gibt.


Einsamkeit gehört dazu – und das ist okay Du bist selten allein – und kannst dich trotzdem einsam fühlen. Das ist kein Widerspruch, das ist menschlich. Wenn du an einem atemberaubenden Ort sitzt und niemanden hast, mit dem du das teilen kannst, heißt das nicht, dass du etwas falsch machst. Es heißt nur: Du sehnst dich nach Verbindung. Und das ist vollkommen in Ordnung. Warum ich trotzdem immer wieder alleine losgehe Weil ich gelernt habe, dass ich es kann. Weil ich nicht darauf warten möchte, dass jemand anderes Zeit, Geld oder Lust hat. Und weil ich weiß: Genau in den schwierigen Momenten liegt das größte Wachstum. 


Wie du anfangen kannst (auch wenn du Angst hast)

Du musst nicht direkt eine Weltreise buchen. Fang klein an:

1.     Ein Wochenendtrip alleine.

2.     Geh alleine essen.

3.     Fahr für zwei Tage in eine neue Stadt.

Finde heraus, dass du nicht allein bist, nur weil du alleine unterwegs bist. Es heißt nur, dass du dir selbst genug bist, um loszugehen.


💡 Profi-Tipps für deine erste Solo-Reise

Damit der Start leichter fällt, hier meine persönlichen "Survival-Hacks":

  1. Die „Ankunfts-Regel“: Komme niemals nach Einbruch der Dunkelheit an einem neuen Ort an. Das nimmt den Stress bei der Zimmersuche oder dem Weg vom Bahnhof.

  2. Offline-Karten & Powerbank: Dein Handy ist dein wichtigstes Tool. Lade dir die Region bei Google Maps offline herunter. Ein leerer Akku in einer fremden Stadt ist der größte Stressfaktor.

  3. Dokumente in der Cloud: Scanne Pass, Impfausweis und Versicherungsunterlagen ein und speichere sie online (z.B. Google Drive). Falls dein Handy weg ist, kommst du von jedem Internetcafé der Welt dran.

  4. Die „Free Walking Tour“: Fast jede Stadt bietet das an. Es ist der einfachste Weg, innerhalb von zwei Stunden andere Reisende kennenzulernen, ohne sich verabreden zu müssen.

  5. Vertraue, aber überprüfe: Die meisten Menschen sind gut. Aber wenn dein Instinkt „Nein“ sagt, dann hör auf ihn – egal wie unhöflich es in dem Moment wirken mag.


Was ich jeder Frau (und auch jedem Mann) mitgeben möchte

Alleine reisen heißt nicht, dass dich niemand begleitet. Es heißt nur, dass du dir selbst genug vertraust, um loszugehen. Du wirst Menschen treffen. Du wirst Erfahrungen machen. Und du wirst dich selbst auf eine ganz neue Art kennenlernen.


Ein Hinweis zum Schluss: Wenn du dich emotional gerade nicht stabil fühlst, ist das vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt für ein Solo-Abenteuer. Und auch das ist völlig okay.


Fazit: Alleine reisen ist nicht perfekt – aber es ist echt. Es ist frei, herausfordernd und manchmal einsam. Und genau deshalb ist es so unglaublich bereichernd.


*Hast du auch schon mal eine Solo-Reise gewagt oder planst du gerade dein erstes Abenteuer? Schreib es mir in die Kommentare – ich freue mich riesig auf unseren Austausch!



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